PresentPast wirft einen kollektiv-politischen und gleichzeitig transgenerational-historischen Blick auf menschenverursachte, kollektive Gewalt und Menschenrechtsverletzungen. Damit grenzt er sich klar vom klassischen Verständnis der reinen Nothilfe und auch Humanitären Hilfe ab, indem explizit auch bestehende historische und gesellschaftlich-politische Dimensionen von Traumata mit adressiert werden.
Auch in der Gegenwart gibt es Spuren, die aus der Vergangenheit reichen. Dies gilt in besondere Weise für Länder und Gemeinschaften, die in ihrer Geschichte Umbrüche erfahren haben und gegenwärtig in Zeiten des Krieges oder des Konflikts leben. Sowohl diejenigen, die durch schwierige Zeiten gehen, als auch jene, die mit potentiell traumatisierten Personen arbeiten, können von Erinnerungen berührt werden, die als vergangen geglaubt werden. Die Wirkung traumatischer Vergangenheit kann sich in Gedanken, Gefühlen und Praktiken von Überlebenden, Nachkommen und in diesem Sinne auch von Helfenden ausdrücken. Helfende sind in ihrer Arbeit oft selbst betroffen, entweder über die Tradierung von Geschichten in ihren eigenen Biografien oder auch indirekt durch die Geschichten, die in ihrer Arbeit mit traumatisierten Menschen.
Der PresentPast Ansatz bietet dabei eine konzeptionelle Basis für ein werteorientiertes Vorgehen im Kontext kollektiver Gewalt, welches die Stärkung von Minderheiten, Betroffenenperspektiven, Nachhaltigkeit, Ownership und basisnahe Ansätze fokussiert. Er kann damit handlungsweisend in der (internationalen) Arbeit sein, einerseits in der Ausgestaltung von Projekten, andererseits in der direkten Interaktion mit Betroffenen.
Zusammengefasst heben die Prinzipien folgende Aspekte hervor:
· Sie betonen die Anerkennung und gesellschaftliche Verantwortung bei der Adressierung von seelischen Leid und plädieren für ein prozessorientiertes Verständnis von Traumata jenseits von Pathologisierungen.
· Zudem halten sie Forderungen nach nachhaltiger, langfristig ausgelegter Unterstützung sowie nach sicheren Räumen und Gemeinschaft im Kontext der Traumabearbeitung fest.
· Sie fordern die Stärkung von psychosozialen Aspekten, von Selbsthilfe und Empowerment sowie der Professionalisierung/Qualifizierung der Hilfe in der Traumabehandlung.
Im Kern des Programms steht ein gesellschaftspolitisches, nicht pathologisierendes Verständnis von Trauma und psychosozialer Unterstützung auch in akuten Krisen- und Konfliktsituationen sowie in Kontexten politisierter Gewalt und Menschenrechtsverletzungen. Aus einer historischen und gesellschaftlichen Perspektive setzen wir uns mit unseren Partner*innen dafür ein, kollektive Verantwortung in Unterstützungsprozessen mitzudenken. Langjährige Verfolgung und Gewalt führen häufig zu extremen Traumata bei den Überlebenden und ihren Nachkommen – oftmals auch Jahrzehnte danach, wie man bei Überlebenden des Holocaust zeigen kann. Migrationserfahrung, soziale Not, Krieg und Verlust von Angehörigen sind zudem Faktoren, die zu einer mehrfachen Traumatisierung und zu Re-Traumatisierungen führen können.
Unser Anliegen ist zweierlei: Einerseits wollen wir eine breite Bewusstseinsbildung zum Ansatz betreiben.
Andererseits wollen wir den PresentPast Ansatz kontinuierlich weiterentwickeln und die Erfahrungen und Erkenntnisse in unterschiedliche Kontexte übersetzen. Dies soll in der Zusammenarbeit und durch Vernetzung mit gleichgesinnten Akteur*innen geschehen – verbunden durch einen gemeinsamen Ansatz der psychosozialen Hilfe nach kollektiver Gewalt. Ein erster Schritt ist die Etablierung eines regelmäßigen Dialograums zur Entwicklung und Anregung eines gemeinsamen Verständnisses der Grundprinzipien unserer Arbeit.
AMCHA greift auf über 30 Jahre Erfahrung in der Unterstützung der psychosozialen Hilfe für Überlebende der Shoah und ihre Nachkommen in Israel zurück. Diese Expertise nutzen wir zum gegenseitigen Austausch und fachlichen Bereicherung mit Akteuren der psychosozialen Hilfe in weiteren Kontexten kollektiver Gewalt. Dazu konzipieren und organisieren wir transnationale Dialoge sowie Qualifizierungsprogramme und fördern die Etablierung von Fachnetzwerken.
Inhaltlich stützt sich der Ansatz auf die PresentPast Prinzipien, welche 2016 u.a. in Kooperation zwischen der BAfF und AMCHA während eines deutsch-israelischen Fachaustauschs entwickelt und seitdem im Austausch mit anderen Kontexten kontinuierliche weiterentwickelt wurden.
Inhaltlich stützt sich der Ansatz auf die PresentPast Prinzipien, welche 2016 u.a. in Kooperation zwischen der BAfF und AMCHA während eines deutsch-israelischen Fachaustauschs entwickelt und seitdem im Austausch mit anderen Kontexten kontinuierliche weiterentwickelt wurden.
Projekte von AMCHA Deutschland, die bisher diesen Ansatz verfolg(t)en:
· Hakara – Transgenerationalem Trauma begegnen (2021 – heute)
· PresentPast Ukraine: Psychosoziale Hilfe für Traumatisierte nach politisierten Konflikten und kollektiver Gewalt in der Ukraine (2018/2019)
· Deutsch-Israelisches Fachforum (2015/2016)
Mehr Informationen zu den Projekten finden Sie auch auf www.amcha.de